2011 war für mich wieder einmal eine mittelgroße Veränderung angesagt. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen dazu entschlossen meinen Fulltimejob zu vierteln und hauptberuflich ein Studium der Informatik an der TU Graz zu beginnen. Die letzte Klausur ist nun schon wieder fast eine Woche her und nun habe ich Zeit gefunden ein bisschen Resümee zu ziehen.
Grundsätzlich muss ich sagen, dass Informatikstudium ist doch recht zeitintensiv auch wenn man Vorkenntnisse in der Programmierung hat und mathematisch nicht ganz daneben ist. Erschwerend kam dieses Semester sicher die Studien Eingangs und Orientierungs Phase (
STEOP) dazu. Das ist quasi eine Art Aufnahmeprüfung während des Semesters die aus einer leichten allgemeinen Einführungs-LV und einer schwierigeren LV (meist mittels Multiplechoicetest geprüft) besteht. Der Multiplechoice den ich zu lösen hatte ist
hier einsehbar. Zugegebenermaßen war der Test diesmal nicht besonders schwierig, allerdings ist der psychische Druck und die Minuspunkte bei Falschantworten nicht zu verachten. Glücklicherweise ist bei mir alles glatt gegeangen und konnte die STEOP sogar mit 1.0 abschließen :). Generell will ich die Sinnhaftigkeit der STEOP aber bezweifeln, darauf will ich hier jedoch nicht weiter eingehen.
Besonders lästig erscheint den meisten Studierenden die Mathematik-VU
Analysis T1 Die Vorlesungen dafür sind seit einigen Jahren bereits um 08:15 angesetzt was vor allem für Leute die schon länger die Schulbank nicht gedrückt haben und ein Gleitzeitsystem genossen sehr störend empfunden wird. Bald wurde mir aber klar, dass der Besuch der Vorlesung meist wenig bringt und man durch diverse Videos im Internet effektiver lernt. Wöchentlich müssen für manche LVs wie eben auch Analysis T1 Beispiele online angekreuzt werden und ein Zufallsgenerator wählt dann Studierende zum Vorrechnen aus. Dieses System macht nicht gerade Spass, aber wer die Übungen gewissenhaft macht (bzw. gewissenhaft abschreibt ;)) braucht nicht mehr so viel für die Klausur lernen.
Lustiger waren für mich die Übungen zu Grundlagen der Informatik. Hier hatte man schon relativ früh ein recht schwieriges Problem mit einem liebevoll gestalteten Roboterprogrammiersystem zu lösen. Der berüchtigte Marvin-10 Neptunroboter musste aus einem komplexen Labyrinth sämtliche Diamanten einsammeln und wieder herausfinden. Für diese Aufgabe hatte man eigentlich auch mit Vorkenntnissen in der Programmierung nicht unbedingt große Vorteile gegenüber den anderen Studenten.

Weiters ist zu sagen, die TU Graz verfolgt eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Plagiaten. Und das ist tatsächlich so wie einige Teilnehmer bei dieser Übung wohl leidvoll erfahren mussten. Generell finde ich das ganz ok, allerdings trauen sich einige Studenten dann schon untereinander oft nicht mehr über den Übungsstoff zu unterhalten, da niemand gerne Informationen weitergibt um dann eines Plagiats überführt zu werden. Es würde mich auch gar nicht wundern wenn sich früher oder später jemand bei mir über den oben gezeigten Screenshot beschwert. Man könnte ja schon Teile der Lösung sehen...
Viel habe ich auch über das universitäre System und Leben als Student im allgemeinen gelernt. So ist zum Beispiel jede LV mit einer gewissen Menge an ECTS bemessen. Wobei ein ECTS ungefähr 25 Arbeitsstunden sein sollten. Natürlich kann man den Aufwand nie genau abschätzen, dass weiß ich auch von meinem Job in der professionellen Softwareentwicklung. Erstaunt war ich allerdings wie weit die Schätzungen der TU Graz daneben liegen. Natürlich gleichen sich diese Fehlschätzungen in Summe teilweise aus (und jeder Mensch ist unterschiedlich), allerdings finde ich es nicht ganz ok wenn dieselbe LV in verschiedenen Studienrichtungen nicht gleich viel wert ist. Und auch der Stipendienstelle wird es wohl relativ egal sein, wenn man erklärt, dass man in Wirklichkeit viel mehr Aufwand hatte. Allgemein ist der Aufwand aber auf der TU Graz wohl zu nieder bemessen. Ich kann mir zum Beispiel beim besten Willen nicht vorstellen, dass man in 3*25 Stunden so perfekt in C-Programmierung ist wie es verlangt wird. Wenn man aber viel Eigeninteresse und Vorkenntnisse mitbringt ist es nicht so ein großes Problem (man tut es ja schließlich gerne) und das erwarten die Professoren wohl auch.
Erstaunt war ich auch über die große Offenheit und Hilfsbereitschaft der meisten Mitstudierenden. Man lernt schnell neue Leute kennen (oft auch gezwungenermaßen durch Gruppenübungen) und ich denke die meisten fanden die tolle Vernetzung über Facebook und Newsgroups recht nützlich. (E-Learning quasi ;)) Die Vorlesungen habe ich auch größtenteils aus sozialen Aspekten besucht und nicht um den großen Wissensgewinn zu erfahren.
Generell bereue ich den Schritt das Informatik-Studium zu beginnen nicht auch wenn es natürlich ein bisschen ein finanzieller Einschnitt ist. Aber da es in Österreich ja auch das
Selbsterhalterstipendium gibt, komme ich mit ein bisschen arbeiten ganz gut über die Runden. Und die Ferien sind mir persönlich sehr viel wert, auch wenn es Phasen im Jahr gibt wo man als Student mehr als in einem 40 Stunden Job gefordert ist.
Mal sehen was das zweite Semester bringen wird. Vermutlich wird es mittelfristig nicht leichter werden. In der Regelstudienzeit werde ich aber höchstwahrscheinlich sowieso nicht fertig werden wenn ich noch nebenher arbeite. Man will ja schließlich nicht komplett vernerden und man lernt ja nicht nur auf der Uni.